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Sowas kommt von sowas! 60 Jahre nach Stalingrad

Am 2. Februar jährt sich der Sieg der Roten Armee über die deutsche 6. Armee im Kessel von Stalingrad zum 60. Mal. Dieser Sieg leitete die Wende im II. Weltkrieg ein. Anlässlich des Jubiläums bereiteten ARD und ZDF aufwändige Mehrteiler vor, Spiegel und Stern machten mit dem Thema auf, der Deutschlandfunk liest seit Monaten aus Feldpostbriefen von Stalingrad-Landsern vor.

Ein Mythos entsteht ...

in Deutschland ist "Stalingrad" schon lange zum Mythos geworden, bereits in den fünfziger Jahren gab es unzählige Veröffentlichungen. Das Thema bot sich dafür auch an. Eine ganze Armee hat die Wehrmacht verloren, über Monate mussten Hunderttausende Soldaten im Kessel zubringen, der erhoffte "Entsatz" von außen kam nicht. Die fanatisierten deutschen Soldaten kämpften, obwohl halb verhungert, bis zum Tod, am Ende konnte die Rote Armee gerade mal 110.000 von ehemals 250.000 Wehrmachtssoldaten gefangen nehmen. Dazu kommt das naturkatastrophen-, schicksalhafte der Schlacht. Eingeschlossen von übermächtigen Gegnern, in einer eisigen Steppenlandschaft, kaum Verpflegung. Identifikationsverstärkend tritt hinzu, dass es sich bei den Akteuren um vermeintlich "normale", meist sehr junge Männer handelte und nicht um Angehörige der SS. Und am Ende kehren aus der Kriegsgefangenschaft gerade einmal 5.000 zurück.

Das neuerliche Interesse an den deutschen Leiden im Krieg, vor allem auch die Veröffentlichungen zur Bombardierung deutscher Großstädte, hat eine Tendenz zum Geschichtsrevisionismus. Den Zweiten Weltkrieg als das individuelle Leid deutscher Soldaten und Zivilisten darzustellen, bedeutet, den historisch-politischen Zusammenhang auszublenden. Die Frage nach der deutschen Schuld und Verantwortung wird so auf Einzelpersonen (Hitler, die Naziführung) abgeschoben. Wo nur die Feldpostbriefe der deutschen Landser vorkommen, werden die sowjetischen Opfer gerade im Kontrast abstrakt. Der Hörer nimmt automatisch die Perspektive des deutschen Soldaten ein. Von da ist es nicht mehr weit dazu, unter dem Slogan des Gedenkens an die "Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft" alle "Leiden" auf eine Stufe zu stellen.

Es war ein Vernichtungskrieg, den die Wehrmacht führte

Niemand spricht von der Bombardierung Stalingrads, die dem Kessel vorausging. Die erste Volkszählung nach der Schlacht ergibt noch 10.000 überlebende Einwohner von vormals einer Million. Ebenso wenig wird meist über die Verbrechen der angeblich so anständigen deutschen Landser beim Vormarsch auf die Wolga gesprochen. Die Wehrmachtsaustellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung hat detailliert nachgewiesen, wie sehr eben auch die Wehrmacht an Kriegsverbrechen beteiligt war und welch zentrale Rolle sie bei der Durchführung der Judenvernichtung einnahm.
Dass am Ende nur 5.000 deutsche Soldaten die Kriegsgefangenschaft überlebten, ist nicht etwa der schlechten Behandlung durch die Rote Armee zuzuschreiben, sondern vor allem der Tatsache, dass die Soldaten getreu dem Befehl des "Führers" sich auch dann nicht ergaben, als sie monatelang ohne auch nur annähernd ausreichende Versorgung im Kessel ausharrten. Allein angesichts dieser selbstverschuldeten Ausgangsbedingungen hatten die ausgehungerten Soldaten keine Chance, die Kriegsgefangenschaft zu überleben. Auf Grund des deutschen Eroberungskriegs war es oft kaum möglich, die sowjetische Zivilbevölkerung ausreichend zu ernähren.
Die wichtigste Frage jedoch, über die viel zu wenig gesprochen wird, ist die Frage, was die Landser mitten in der Sowjetunion eigentlich zu suchen hatten. Die Begeisterung, mit der tausende "normale" Deutsche in den Krieg gegen die "Bolschewisten" zogen, mit der sie Führerbefehle wie den, "die gesamte männliche Bevölkerung zu beseitigen" umsetzten, kommt nicht zur Sprache. Es wird nicht gesagt, dass der Krieg Vorstufe war für die Umsetzung des "Generalplans Ost", der ganz Osteuropa mit "arischen" Bauern kolonisieren wollte, wofür es Voraussetzung war, die gesamte "fremdrassische" Bevölkerung zu versklaven oder zu ermorden. Man spricht auch nicht davon, dass jeder Tag, den die Wehrmacht "standhielt", ein Tag war, an dem der Holocaust weitergehen konnte.
Stattdessen erzählt man sich lieber rührselige Geschichten und bemitleidet die deutschem Mörder, weil sie in der vereisten Steppe ihre Toten nicht beerdigen konnten.

Dem setzen wir eine andere Perspektive entgegen, getreu dem Schwur der Häftlinge von Buchenwald nach der Befreiung:

Nie wieder Faschismus - Nie wieder Krieg!

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